Auf der Suche nach Bodyguards in einer veränderten, digitalen Welt

Auf der Suche nach Bodyguards in einer veränderten, digitalen Welt


Von Annegret Handel-Kempf



Die Fischer, die sich Ihre persönlichen Daten angeln wollen, indem Sie Ihnen sogenannte „Phishing-Mails“ schicken, sind seit der Zuspitzung des Russland-Ukraine-Konfliktes wieder einmal besonders fleißig.

Da schickt beispielsweise und vorgeblich eine der vermögendsten Frauen Deutschlands das Angebot, dem Adressaten finanziell unter die Arme zu greifen: Um die Seriosität der Email-Offerte zu prüfen, lockt ein angeblicher Wissensdatenbank-Link damit, mit der Maus auf denselben zu klicken. Doch anstelle der gewünschten Informationen landen durch das Laden möglicherweise Schad- und Späh-Software auf Computer oder Smartphone.

Ähnlich verführerisch agieren elektronische Schreiben, in denen Nutzer die Verbindung zu Downloads aus dem Internet aktivieren sollen, um angeblich Sicherheitsverfahren, mit denen zum Beispiel beim Online-Banking gearbeitet wird, „noch sicherer“ aufzupeppen.

BEISPIELE VON PostS AUS BELIEBIGEN EMAIL-BRIEFKÄSTEN, WIE SIE VIELLEICHT HEUTE ODER MORGEN AUCH In IHREM ELEKTRONISCHEN pOSTEINGANG WARTEN
Bodyguard is watching you
Allein zuhause, unbeobachtet bei der Arbeit – oder doch nicht? Foto: Annegret Handel-Kempf/RB Smarte Zeitung


Sicherheit – „Security“ – in digitalen Umgebungen ist aktuell besonders schwierig. Zu den üblichen Internet-Kriminellen kommen Gefahren durch die geopolitische Situation. Viele Software-Entwickler sitzen in Russland. Ob sie sich Zugriffen und Einflussnahmen durch ihren Staat entziehen können, ist alles andere als sicher. Bis in den privaten Raum, bis zur Antiviren-Software auf dem persönlichen Tablet, mit dem Kinder ihre Hausaufgaben machen oder die Väter nach schicken Sneakern in Online-Shops suchen: Unsere Leibwächter im Cyberspace könnten ungewollte Seiten aufziehen. Daher lohnt es sich momentan besonders, die Herkunft und Gestaltung der Datenschutzsoftware auf privater und beruflicher Hardware genauer als sonst zu hinterfragen.


„Wir sind heute in einer anderen Welt aufgewacht“, sagte die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock an jenem Donnerstagmorgen im Februar 2022, an dem Weihnachten als Fest des Friedens exakt zwei Monate zurück lag. In der Nacht war die Stabilität der Nachkriegsordnung entscheidend getroffen worden. „Wir sind heute Morgen fassungslos, aber wir sind nicht hilflos“, sagte Baerbock bereits in ihrem ersten Statement.


„In einer Zeit, in der sich soziale Beziehungen immer stärker in der digitalen Welt entwickeln, in der Werte zunehmend im digitalen Raum entstehen und in der es um Brain statt um Bodenschätze geht, ist dieser brutale und menschenverachtende Feldzug noch sinnloser, als es Kriege ohnehin sind“, reagierte Bitkom-Präsident Achim Berg auf die militärische Invasion der Ukraine durch Russland. Bitkom und die digitale Wirtschaft verurteilten die russische Aggression „aufs Schärfste“.


Wie geht es nun weiter für Anwender im Cyberraum? Am 15. März empfahl das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Anwendungen aus dem Portfolio von Virenschutzsoftware des Unternehmens Kaspersky durch alternative Produkte zu ersetzen. Das bedeutet, auch in der digitalen Welt müssen Alternativen zum Vertrauten gesucht werden. Nachfragen sind wichtiger denn je.


Hier die Antworten von Luis Corrons, Security Evangelist bei Avast:


„Wir haben uns dem Schutz der digitalen Privatsphäre unserer Nutzer verschrieben“

Luis Corrons, Security Evangelist bei Avast:



SMARTE ZEITUNG: Herr Corrons, nach der BSI-Warnung vor Kaspersky-Virenschutz-Anwendungen: Sieht sich Avast in der Lage, Anwendern gleichwertige, sichere und von staatlichen Einwirkungen unabhängige Sicherheitssoftware anzubieten?


Luis Corrons: Avast entwickelt und bietet seine Software unabhängig und frei von Einwirkungen von staatlicher Seite an. Avast glaubt zutiefst an die entscheidende Bedeutung des Schutzes der digitalen Freiheit und des Rechts eines jeden Menschen auf einen sicheren und privaten Zugang zum Internet. Avast wurde 1988 in der ehemaligen Tschechoslowakei unter dem sowjetischen Satellitenregime gegründet. Im Jahr 1989 feierten wir unsere Freiheit, als wir in der neuen freien Tschechoslowakei als Unternehmen eingetragen wurden und unser Antivirenprogramm kommerziell verkaufen konnten. Unsere Geschichte, Kultur und Erfahrungen sowie unsere technologische Vision prägen sowohl unsere Mission als auch unsere Werte als Unternehmen. Dieses Ziel treibt uns an, unsere Software so weiterzuentwickeln, um zu einer gerechteren, gleichberechtigten digitalen Welt beizutragen.


SMARTE ZEITUNG: Welche Features haben entsprechende Pakete bei Avast?


Luis Corrons: Avast One enthält unseren kostenlosen Antiviren-Schutz, dessen starke Wirksamkeit wir regelmäßig von unabhängigen Testinstituten wie AV-Test und AV-Comparatives nachweisen lassen. Dazu erhalten Anwender Lösungen zum Schutz ihrer Privatsphäre, und Optimierung ihrer Geräte. Dafür sorgen beispielsweise das integrierte VPN, eine Datenleck-Überwachung und Gerätebereinigungstools.


SMARTE ZEITUNG: Mittlerweile wird oft die Meinung vertreten, dass Virenschutzprogramme überflüssig geworden sind, dass die zum Betriebssystem angebotenen Sicherheitspakete beispielsweise von Microsoft genügen: Was spricht nach Ansicht von Avast dennoch dafür, zusätzliche Sicherheitspakete von externen Anbietern auf allen Geräten zu installieren?


Luis Corrons: Generell sind Antivirenschutzprogramme für Privatanwender und Unternehmen, sowohl für Mac-Userinnen als auch Windows-Anwender, ratsam. Unabhängige Tests bescheinigen Windows Defender bei der klassischen Schädlingsbekämpfung auf Windows-Rechnern ganz solide Leistungen. Allerdings zeigen aktuelle Vergleichstests wie die von Stiftung Warentest und Computerbild auch, dass es für einen starken Schutz des modernen, digitalen Lebens mehr braucht. als Schädlinge zuverlässig abzuwehren. Deshalb empfehlen und entwickeln wir umfassende Sicherheitslösungen, die eben beispielsweise einen VPN-Dienst für anonymes und sicheres Surfen im Netz enthalten.


SMARTE ZEITUNG: Laufen Anwender mittlerweile generell Gefahr, dass sich der Schutz, den sie von einem Security-Anbieter kaufen und installieren, irgendwann gegen sie richten könnte?


Luis Corrons: Ein Bodyguard muss dicht an dem zu schützenden Menschen sein, nur so kann er seine Sicherheit bestmöglich gewährleisten. Um seine Schutzfunktion verlässlich erfüllen zu können, muss auch ein Virenschutz tief ins System des Rechners eingreifen können – das liegt in der Natur der Sache. Wir wissen um die Verantwortung, die wir damit haben und wie gesagt, haben wir uns dem Schutz der digitalen Privatsphäre unserer Nutzer verschrieben. So ist für uns beispielsweise der Staatstrojaner technisch gesehen ein Trojaner wie jeder andere, der versucht, den Nutzer ohne sein Wissen auszuspionieren. Für unsere Antivirensoftware spielt es keine Rolle, ob Schadsoftware von Regierungen zur potenziellen Vereitelung von Straftaten eingesetzt wird, von Regimes, um kritische Staatsgegner zu verfolgen, oder von Cyberkriminellen, um persönliche Daten abzugreifen. Jeder Trojaner, jede Spyware und Stalkerware wird durch moderne Technologien wie maschinelles Lernen automatisch als unerwünschte Malware auf einem Computer oder Smartphone erkannt, blockiert und unseren Nutzerinnen gemeldet.

Für unsere Antivirensoftware spielt es keine Rolle, ob Schadsoftware von Regierungen zur potenziellen Vereitelung von Straftaten eingesetzt wird, von Regimes, um kritische Staatsgegner zu verfolgen, oder von Cyberkriminellen, um persönliche Daten abzugreifen.

Luis Corrons, Security Evangelist bei Avast:


SMARTE ZEITUNG: Angesichts der Situation mit der Sicherheitssoftware von Kaspersky: Sollten User keine langfristigen Abos mehr einrichten?


Luis Corrons: Wir stellen unabhängig von den aktuellen Ereignissen seit längerem fest, dass die Anwender gerne flexibel bleiben und modular aufgebaute Software bevorzugen, die sie nach ihren individuellen Bedürfnissen zusammenstellen können und (wo sie; Anm. der Red.) aus einer Fülle an Features auswählen können. Wir bieten am deutschen Markt nur mehr Laufzeiten von maximal einem Jahr an, früher waren im Privatkundengeschäft auch Laufzeiten von bis zu drei Jahre möglich und nachgefragt – der Trend geht aber klar zu Abos mit kürzeren Laufzeiten.


SMARTE ZEITUNG: Was wird aus der Zugreifbarkeit auf Backups, wenn Abos gekündigt und die Software deinstalliert werden?


Luis Corrons: Unsere Software enthält keine Backup-Funktionen.






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