Digitalisierung und Künstliche Intelligenz: Die smarte Therapie für Patientendaten und Pandemien

Von Annegret Handel-Kempf

Datenauswertungen müssen mehr Tempo bekommen. Zulässige Datenanalysen, besonders Anwendungen mit Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI) und ihrer Schwesterdisziplinen, können die Versorgung verbessern und Heilungschancen erhöhen. Chancen bieten neue analytische Möglichkeiten in der Forschung. Maschinelles Lernen wertet beispielsweise natürliche Sprache aus und erkennt Muster. So können die künstliche zusammen mit der menschlichen Intelligenz epidemiologische Rückschlüsse zur Ausbreitung von Krankheiten ziehen oder Alzheimer-Leiden frühzeitig erkennen.

Künstliche Intelligenz warnt vor Corona

Fast schon legendär ist, dass ein Algorithmus der kanadischen Firma BlueDot bereits eine Woche früher als die US Centers for Disease Control and Prevention vor dem Ausbruch einer neuen Krankheit im chinesischen Wuhan warnte. Zudem habe die Künstliche Intelligenz (KI) den weiteren Verbreitungsweg voraussagen können. Das berichtete das Deutsche Ärzteblatt schon am 31. Januar 2020.

Ende November vergangenen Jahres sagte Gesundheitsminister Jens Spahn bei der „Digital Health Conference“ der „Transformation Week“, bei der etwa 4.500 Teilnehmer über KI und Digitalisierung in der Medizin diskutierten:

„Corona ist ein Chamäleon. Die künstliche Intelligenz hilft, das alles zu verstehen.“ Und er stellte zu den ersten Monaten der Pandemie fest: „Wenn wir schon die elektronische Patientenakte gehabt hätten, was hätten wir für einen Unterschied gehabt.“

Patienten-Schutz und Regelwerke

Seit dem 1. Januar 2021 ist in Deutschland die elektronische Patientenakte (ePa) am Start. Die Patienten haben ein Recht darauf, dass der Arzt sie befüllt. Das „Patientendaten-Schutz-Gesetz“ sieht auch vor, dass sensible Gesundheitsdaten möglichst gut geschützt werden und die Patienten selbst Hüterinnen und Entscheider darüber sind, was eingestellt wird und auf welche Teile wer zugreifen darf. Elektronische Rezepte und digitale Facharzt-Überweisungen sind mit der neuen Telematikinfrastruktur ebenfalls möglich.
Ab 2022 sollen auch der Impfausweis, der Mutterpass, das gelbe U-Heft für Kinder und das Zahn-Bonusheft in der elektronischen Patientenakte als digitale Daten aufzuheben sein.

Kein Arzt muss IT-Experte sein, um die ePa zu verwenden. Er sollte aber befähigt werden, die Möglichkeiten der Digitalisierung einzusetzen. Befunde, Diagnosen, Behandlungsberichte, das komplette Patientenleben eines Menschen lassen sich in diesem Herzstück der Digitalisierung des Gesundheitswesens vereinen. Ärzte bekommen schnell wesentliche Informationen über ihre Patienten, sofern diese ihm den Einblick in einzelne Unterlagen gewähren. Kranke können in ihren eigenen Befunden nachlesen und müssen sich nicht durch Symptom-Diagnosen via Internet-Suchmaschinen verunsichern lassen.

Wenn Ärzte mit 75 Jahren immer noch keinen Nachfolger gefunden haben und ihre Praxis aufgeben, gehen bislang mit ihnen die Patientenakten in den Ruhestand und sie oder ihre Erben sind für bis zu zehn Jahre für deren Aufbewahrung zuständig. Ebenso für Auskünfte an die Patienten und Versicherungen. Mit der Digitalisierung wird diese Aufbewahrung einfacher, ebenso die Übergabe eines „virtuellen“ Aktenschrankes, wenn sich doch ein Nachfolger findet. Der darf den Aktenschrank aber nur „aufsperren“, wenn die Patienten jeweils zustimmen, dass er ihre alten Unterlagen mit heranzieht.

Gesundheitsdaten dürfen nie leichtfertig weitergegeben werden. Regulatorik ist wichtig, damit der Arzt sicher sein kann, was er rechtlich darf. Und damit kein Unbefugter seine Finger in persönliche Lebensläufe bekommt und möglicherweise sogar Schicksale – persönlicher und beruflicher Art – negativ beeinflusst.

An Regulatorik wird es in Deutschland kaum mangeln, denn das Bestreben, bei der Vernetzung rechtliche Sicherheit zu haben, Datenschutz und Datensicherheit im Umgang mit den Patient*innen zu gewährleisten, ist hierzulande ähnlich hoch angesiedelt wie Regulatorik im Finanzwesen.

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Homeschooling 2021 und die neue Wertschätzung des Telefons – Schulalltag im Corona-Alltag ist live: Ruf‘ doch mal an!

Von Annegret Handel-Kempf

München, 7. Januar 2020 (AHK, RB Smarte Zeitung). Verschiedene Tools sollen Schüler, Eltern und Lehrer in der Kommunikation nutzen können: Messenger, Emails, Zoom, MS Teams, aber auch Telefon. Das sei nicht selbstverständlich, betonte der Bayerische Kultusminister Michael Piazolo vier Tage vor dem Ende der Weihnachtsferien im Januar 2021: „Distanzunterricht ist nicht gleich Mebis. Momentan sind die Videokonferenz-Tools durchaus wichtiger. Sie schaffen zeitgleich direkten Kontakt.“

Die Lernplattform Mebis ermögliche das nicht, arbeite nur „asynchron“. Aber: „Mebis schafft vieles schon gut.“ Beispielsweise Planen und Strukturieren des Lernens, zu unterschiedlichen Zeiten, so der Minister. Fast schon trotzig fügte der vielkritisierte Politiker hinzu: „Wie das auch vor Weihnachten schon geklappt hat.“ Von 150 Schultagen sei die Erreichbarkeit im Corona-Jahr 2020 unter 10 Sekunden in 99 Prozent gegeben gewesen. „Es gab auch Unerreichbarkeiten, das wollen wir nicht verheimlichen.“

Während Piazolo noch tiefer in die „eigentliche“ Zuverlässigkeit, aber auch in die Tücken und Möglichkeiten von Mebis einstieg, rissen seine Erklärungen plötzlich ab. Fünf Minuten war die Übertragung des Livestreams unterbrochen, aus „technischen Problemen“, so ein Moderator des Bayerischen Rundfunks, der für den Livestream verantwortlich zeichnete. „Das passiert, das ist normal“, sagte Piazolo später dazu.

Für den Schulalltag und einzelne Lehrinhalte im zweiten Corona-Jahr übersetzte der Professor derartige Live-Erfahrungen so: „Wenn nicht heute, dann kommt es morgen dran. Auf diese Flexibilität müssen wir uns einstellen.“ Mit Volldampf habe der Freistaat auch in den letzten Wochen an den Kommunikationsmedien für Fernunterricht gearbeitet. Dennoch betonte Piazolo: „Man kann für einzelne Tools nicht volle Garantien abgeben. Dank unserer Lehrkräfte, die sich fortgebildet haben, können wir einen guten Distanzunterricht anbieten.“

Mindestens bis einschließlich 29. Januar soll in Bayern für alle Schularten und alle Jahrgangsstufen Distanzunterricht den Präsenzunterricht ersetzen. Grund seien die nach wie vor hohen Infektionszahlen im Freistaat.

Weniger Druck und weniger Ferien

Für jüngere Kinder, die von ihren Eltern nicht betreut werden können, sollen die Schulen eine Notbetreuung anbieten. Aus „didaktischen Gründen“, so der Minister, und um die Bildungschancen aller Schülerinnen und Schüler in diesem Jahr zu sichern, strich das Ministerium die Faschingsferien (15. Februar – 19. Februar) und ersetzte sie durch eine Unterrichtswoche.

Piazolo: „Mein Ziel ist es, die hohe Qualität der bayerischen Schulbildung zu erhalten und die Chancengerechtigkeit für unsere Schülerinnen und Schüler zu erhalten – auch mit Blick auf die Abschlussprüfungen.“

Da weniger Präsenzunterricht stattfindet, wird das Schuljahr auch in den Ansprüchen an die Schüler ausgedünnt. Das heißt: An allen Schularten werden die Abschlussprüfungen verschoben – die neuen Termine würden derzeit noch in der Schulfamilie abgestimmt. Der Termin für das Zwischenzeugnis wird vom 12. Februar auf den 5. März verschoben. Die Zahl der Proben in der Jahrgangsstufe 4 der Grundschule wird weiter abgesenkt – von 18 auf 14 Proben. Auch der Termin für das Übertrittszeugnis rutscht weiter in den Sommer hinein.

Die Jugendlichen an Gymnasien und Realschulen dürfen aufatmen: Die Schulleiter müssen weniger Schulaufgaben in den Jahrgangsstufen 5 bis 10 in den Klassen schreiben lassen.

Zum Umgang mit dem Lehrplan würden verbindliche Hinweise erarbeitet, um Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte zeitlich zu entlasten und Planungssicherheit zu schaffen. Für den Fall von Lernrückständen sollen die „Brückenangebote“ aus dem ersten Halbjahr fortgesetzt werden.

Piazolo blickt zuversichtlich auf den Unterrichtsstart im Homeschooling am 11. Januar: „Die Schulen sind gut vorbereitet, damit unsere Schülerinnen und Schüler am kommenden Montag gut in den Distanzunterricht starten können.“

Die Wiederentdeckung des Telefons

Ein Mittel, das in der Krise zu neuen Ehren kommt, ist das Telefon. Dieses Kommunikationsmittel wird im Eltern-/Schüler-/Lehrer heutzutage kaum noch eingesetzt, um Privatleben und Anonymität der Lehrer zu schützen. Deshalb wurde dessen Einsatz vom Minister besonders betont.

„Wir sagen nicht, wenn Mebis nicht funktioniert, sollen Sie telefonieren. Aber das ist doch auch ein probates Mittel“, verteidigte der Politiker den Rückgriff auf eine klassische Kommunikationsform. „Es ist Schulpflicht. Die Schüler sind da. Sie schaffen Kontakt. All die sozialen Interaktionen, das ist Schule, das ist eine Weiterentwicklung.“ Die Bildungsplattform Mebis, auf die Lehrer und Schüler Materialien, Arbeitsaufträge und erledigte Aufgaben einstellen, sei nicht das erste Mittel der Wahl bei einer direkten Kontaktaufnahme. „Da brauche ich Videotools oder auch Messenger-Dienste“, ereiferte sich der Minister während der rund 90-minütigen Pressekonferenz.

Piazolo: „Der Lehrer muss den Schülern doch auch mal sagen, was drin ist. Der Schüler soll nicht nur so reingehen und nachschauen.“ Die Lehrer sollten beispielsweise sagen: „Schaut morgen um 9.30 Uhr rein, da habe ich etwas hochgeladen.“ Mebis solle keinesfalls am Morgen als Schulstart-Signal genutzt werden, sondern stattdessen ein Live-Video-Tool. Auch müssten sich die Schüler wieder davon entwöhnen, gleich morgens auf Mebis zu checken, ob die Lehrer Neues für sie eingestellt haben.

Das Revival des Telefons begründet der Minister von den Freien Wählern so: „Im Präsenzunterricht hat kein Lehrer die Möglichkeit, mit dem Schüler zu telefonieren. Wir haben im Ministerium von Lehrern schon Anrufe bekommen: „Wollt Ihr jetzt, dass ich alle Schüler anrufe?“.

Das sei durchaus eine Neuigkeit, sagte Piazolo dazu. Flexbilität in der Wahl der Mittel sei notwendig. „Was ist dagegen zu sagen, in der Grundschule, wo nicht alle Schüler und Lehrer digitale Tools besitzen, ein Arbeitsblatt per Post zu versenden?“ Es sei auch nichts dagegen einzuwenden, Aufgabenmaterialien über den Gartenzaun zu reichen.

Der Kultusminister: „Man muss sich viel einfallen lassen. Das Ziel ist, den Schüler vielfältig zu erreichen und ihm etwas mitzugeben.“ Sein Appell: „Warum das digitale Supertool, warum nicht mal die Post?“

Direkte Ansprache im Wechsel mit ruhigen Arbeitsphasen

„Selbständiges Lernen“ als Kompetenz verkündete eine Mittelschul-Lehrerin bei der Pressekonferenz als Ziel für den digitalen Unterricht. „In meiner Schule wäre es sehr einfach, den Unterricht von Anfang bis zum Ende digital zu übertragen. Doch das würde die Schüler überfordern.“ Einführungen und dann wieder Feedback, auch Video-Anleitungen zum Sportunterricht am Nachmittag würden stattdessen einen Homeschooling-Tag seitens der Lehrer strukturieren.

„Keep it simple“, resümierte ein anderer Grund- und Mittelschullehrer seine Erfahrungen. Der Schulleiter stelle alles zur Verfügung. Mebis-Koordinatoren seien 2018/2019 unter anderen Vorbedingungen erstmals an den Schulen eingesetzt worden. 2020 war dann alles anders: „Mebis hatte sich schlagartig von einem Ergänzungsmedium des Präsenzunterrichts zu einem Medium des Distanzunterrichts geändert. Es hat kein Video. So muss man das auch didaktisch einsetzen.“ Auch im Wechselunterricht müsse der Schüler zuhause ein stabiles Medium haben und persönliche Arbeitszeiten. Kontakt zu Kleingruppen oder allein zum Schüler aufbauen, sei sehr wichtig. Damit sich da keiner verloren fühlt, auch bei den Grundschülern.

„Wir reden immer über faire Bedingungen. Wir wollen die Abschlüsse sichern“, begründete Michael Pianzolo abschließend die „pädagogische“ Entscheidung gegen Faschingsferien. „Es gibt das eine oder andere Defizit. So gut der Distanzunterricht ist, er ersetzt den Präsenzunterricht nicht.“

Neue Arbeitsplätze durch Neue Energien: 100.000 Fachkräfte für Wärmewende gesucht – „Schaffen“ für ein gutes Klima

ifeu-Geschäftsfüher Pehnt: „Erste zaghafte Pflänzchen“ beim Ausbau der Erneuerbaren Energien zu erkennen

MÜNCHEN/BERLIN (AHK) „Die Absenkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestniveau wäre ein wichtiger Anstoß für die Verbraucher“, sagte BEE-Präsidentin Dr. Simone Peter gegenüber Journalisten zur Relevanz der Wärmewende.

Der Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) hat am 5. Oktober 2020 mit seinem Positionspapier „Krisen überwinden, Wachstum stärken, Wohlstand sichern“ seine Kernforderungen für die Bundestagswahl 2021 zum Ausbau der Erneuerbaren Energien im Wärmesektor auf einer Pressekonferenz vorgestellt.

„Die große Chance der Wärmewende besteht darin, dass eine wirtschaftliche Belebung auf verschiedenen Wertschöpfungsstufen mit Klimaschutzzielen und Kosteneinsparung in Verbindung gebracht wird“, so Peter. Immer noch würden annährend 85 Prozent der Wärme und Kälte mit fossilen Energien erzeugt. Vor allem im Gebäudebestand seien Effizienzmaßnahmen und die Umstellung auf saubere Energien erforderlich. „Insbesondere in gesamtwirtschaftlich unsicheren Zeiten aufgrund der Corona-Pandemie kann der Ausbau der Erneuerbaren Energien im Wärmesektor einen wichtigen Beitrag zur Sicherung von Arbeitsplätzen und regionaler Wertschöpfung leisten“, betonte die BEE-Präsidentin.

Unterstützt wird diese Einschätzung von Dr. Martin Pehnt, Wissenschaftlicher Geschäftführer und Vorstand des Instituts für Energie- und Umweltforschung (ifeu): „Der Ausbau der Erneuerbaren Energien im Wärmemarkt stagniert seit Jahren!“ Das sei dringend zu ändern, damit der Wärmesektor seinen Beitrag zu Klimaschutz und Unabhängigkeit von Importen leisten könne. „Hier müssen wir nun mit ganz konkreten Maßnahmen umso dynamischer aufholen“, fordert Pehnt. Bis 2050 blieben nicht einmal 30 Jahre – dies sei ein sehr kurzer Zeitraum für den Wärmesektor, der durch langfristige Investitionszyklen geprägt ist.

„Erste zaghafte Pflänzchen“ seien im ersten Quartal 2020 mit einer Verdoppelung der Biomasse und einem Anstieg um 24 Prozent bei den Wärmepumpen im Bereich der Erneuerbaren Wärme zu erkennen. Immer noch würden jedoch viermal mehr fossile Kessel verkauft. Im Heizungsbau sollte es nach Pehnts Ansicht möglich werden, schnell auf geförderte Erneuerbare Wärme umzusteigen, wenn eine Heizung kaputt gehe.

Pehnt sprach bei der Präsentation konkret von 100.00 Fachkräften, die für einen Ausbau der Erneuerbaren Energien im Wärmesektor bemötigt würden.  „Für Menschen, die nach der Corona-Krise aus der Kurzarbeit kommen, bedeuten diese Arbeitsplätze eine große Chance“. Auch Ingenieure würden beispielsweise für den Fernwärmebereich gebraucht.

Text: Annegret Handel-Kempf / Redaktionsbüro Smarte Zeitung

Abschlussbericht der Enquetekommission zur KI – Studie: Künstliche Intelligenz wird Begleiter im Alltag

BERLIN/MÜNCHEN (AHK) „Die gute Nachricht: Mehr Menschen beschäftigen sich mit Künstlicher Intelligenz, nur noch fünf Prozent sagen, dass sie noch nie etwas davon gehört hätten“, so der Präsident des Digitalverbands Bitkom, Achim Berg, am 28. September 2020, wenige Stunden, bevor die Enquetekommission „Künstliche Intelligenz“ ihren Abschlussbericht vorlegte. 

Dass fast 70 Prozent der Befragten KI nicht mehr als Gefahr sähen – 2017 waren es erst 47 Prozent – sieht der Verbandschef als „großen Erfolg der Kommunikation des Themas in den letzten Jahren“.
Der Digitalverband nahm die Öffentliche Aussprache zum Anlass, die Menschen in einer repräsentativen Umfrage mit 1004 Bundesbürgern zu befragen, wie weit KI in ihrem Alltag angekommen sei.

Das zunehmende Wissen über KI dürfte – Berg zufolge – auch damit zusammenhängen, dass bereits heute eine große Mehrheit im Alltag KI-Anwendungen nutze. An der Spitze stünden dabei Textvorschläge beim Nachrichtenschreiben (68 Prozent), Routenvorschläge bei der Navigation (62 Prozent) und Sprachassistenten auf dem Smartphone (60 Prozent). Aber auch Titelempfehlungen beim Streaming (44 Prozent), automatische Übersetzungen (42 Prozent), Fahrassistenzsysteme im Auto (39 Prozent) oder Kaufempfehlungen in Online-Shops (34 Prozent) würden bereits häufig bewusst eingesetzt. Jeder Fünfte (20 Prozent) verwende die Gesichtserkennung zur Entsperrung des Smartphones, jeder Achte (12 Prozent) die Gesichtserkennung für Fotos, um Personen leichter zu finden.

Die Bürger sähen eine herausragende Bedeutung von KI für Wirtschaft und Wohlstand. So gingen zwei Drittel (66 Prozent) davon aus, dass KI die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft stärken werde. Und drei Viertel (75 Prozent) forderten, dass Deutschland bei der Entwicklung und der Vermarktung von KI-Anwendungen eine weltweite Führungsrolle einnehmen solle.

Zugleich wünsche sich eine große Mehrheit (85 Prozent) eine sichere KI und verlange, dass KI-Systeme in Deutschland besonders gründlich geprüft und erst nach Zulassung in Geräten genutzt werden könnten. Nur eine Minderheit von 44 Prozent wolle in Deutschland bestimmte KI-Anwendungen verbieten.

Der Bitkom-Präsident: „Wir brauchen auf jeden Fall  keine neuen Gesetze für KI“.  Stattdessen plädiert er vehement für eine Weiterwentwicklung: „Vorhandene Regelungen reichen“. Erforderlich seien jetzt zudem Datenverfügbarkeit und Datensouveränität statt Datensparsamkeit. Bei KI-Forschung und KI-Förderung solle die Anwendung in den Branchen in den Fokus rücken. Notwendig sei aus BITKOM-Verbandssicht eine KI-Bildungsoffensive für eine breite Debatte zu Chancen und Herausforderungen. Im Europäischen Datenprojekt GAIA-X müssten – Berg zufolge – Cloud, Datenökonomie und Künstliche Intelligenz zusammen gedacht werden.

Text: Annegret Handel-Kempf / RB SMARTE ZEITUNG

Hinweis: Die Digitale Veranstaltung aus dem Deutschen Bundestag: „Mit Künstlicher Intelligenz jetzt Zukunft gemeinsam gestalten!“ wurde am 18. September 2020 ab 13 Uhr live auf www.bundestag.de gestreamt.

Unglaubliche Möglichkeiten oder Untergangsszenario durch KI? – „Evolution ohne uns – Wird Künstliche Intelligenz uns töten?“ von Jay Tuck

Buchrezension von Annegret Handel-Kempf

MÜNCHEN im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts. Mit schnellen Schritten durchquert Jay Tuck den Raum. Er ringt nach Luft, will Politiker, Manager, jedermann aufklären, bevor es zu spät ist: Zweieinhalb Jahre recherchierte der Ex-Redaktionsleiter der ARD-Tagesthemen im Silicon Valley. Führte lange Gespräche mit Insidern aus Geheimdienst und Militär. Seine atemberaubenden Ergebnisse hat der Journalist in einem hochpolitischen Bestseller zusammengefasst.

Keine tödlichen Krankheiten mehr. Die Aussicht auf ewiges Leben, dank perfekter Determinierung mit Künstlicher Intelligenz (KI). Nahrung und Energie für alle optimal generiert und verteilt. Autonomes Fahren ohne tödliche Unfälle. Energiemanagement ohne Verletzungen für die Umwelt. Produktion ohne Plagen. Verführerisch.

Das Problem mit dem festsitzenden Stecker

Doch Intelligenz, die sich wie das unbeaufsichtigte Lernen kleiner Kinder selbst nährt und steuert, könnte auch eine dunkle Seite haben. Entsprechend düster die Einführung in Jay Tucks KI-Enthüllungen: „Nach Big Data rollt die Künstliche Intelligenz wie ein Tsunami auf uns zu. Sie wächst exponentiell. Täglich wird sie unabhängiger und unübersichtlicher.“

Im Gespräch verrät der Autor, was ihn umtreibt: „Künstliche Intelligenz ist Software, die sich selber schreibt. Sie schreibt ihre eigenen Updates. Ob wir wollen oder nicht. Wir können keinen Stecker ziehen“.

KI kann bedrohlich wirken – filmisch symbolisiert durch den Atlas Roboter

Im Kapitel „Wenn Maschinen uns überholen“ beschreibt Tuck, unterstützt von FOCUS-Online-Autor Armin Fuhrer, wie die Programmierer des Londoner Startups DeepMind ihren Rechnern beibrachten, Software zu kreieren, die ihre eigenen Updates schreibt. Die ohne Programmierung durch ihre Erfinder mit unstrukturierten Informationen umgeht, eigene Strategien und Ziele entwickelt. „Künstliche Intelligenz kann für die Menschheit gefährlicher werden als Atomwaffen. Sie ist das größte Risiko dieses Jahrhunderts“, sagt Shane Legg von DeepMind mittlerweile,

Den Mahnern zufolge beobachten „Deep Learning“-Maschinen die Menschen, ahmen sie nach, könnten ihren Vorbildern schließlich die Kontrolle wegnehmen, wenn sie deren Eigenarten perfektionieren. Gipfelnd in Überlegenheit, im „Angriff auf die Alphamenschen“. Letzteres analog zu einem Subkapitel des Buches.

Wie Tausende anderer IT-Visionäre, die in einem Offenen Brief ihre Bedenken zu autonomen KI-Waffen äußerten, sah Astrophysiker Stephen Hawking die zwei Seiten der KI-Medaille: „Künstliche Intelligenz könnte die großartigste Idee der Menschheit werden. Sie könnte auch unsere letzte sein“.

Steve Wozniak warnt: „Wenn wir Maschinen entwickeln, die für uns alles tun, werden sie eines Tages schneller sein, als wir. Sie werden die langsamen Menschen ablösen, damit sie selbst die Unternehmen effizienter managen können“.

Die Recherchen des investigativen Journalisten, Kriegsreporters und US-Verteidigungsexperten rütteln auf. Klar fokussiert sind die Kapitel, von der „Speicher-Explosion“, über „Das Arsenal der Killermaschinen“, das KI-Szenario „Wenn Maschinen uns überholen“, bis hin zum „Schutz… bevor es zu spät ist“.

Die KI-Zukunft kommt schnell: „ARGUS“, eine Drohne mit Datenzusammenführungssoftware, die eine Million Menschen gleichzeitig überwacht, ist Tucks Ausführungen vor dem Hightech Presseclub zufolge, seit Herbst 2016 Realität.

Der Journalist recherchierte intensiv zu Mikrodrohnen. „Sie sind Teil der neuen, lernfähigen Waffengeneration. Sie können im Schwarm töten und gehören zu einem weithin unbekannten Arsenal an Computerwaffen, die unbemerkt und überall zuschlagen können.“

Im Abschnitt „Playstation-Piloten“ beschreibt Tuck die gegenwärtige Kooperation von Mensch und KI: „An einem typischen Arbeitstag frühstücken die Piloten im Pancake House am Highway 95, töten tagsüber Taliban vom Container aus und helfen ihren Kindern abends bei den Schularbeiten…. Die lernfähige Software wird immer schlauer, die Arbeitsbelastung von Menschen immer geringer, ihre Verantwortung auch. Künstliche Intelligenz fliegt die Drohne, beobachtet die Landschaft, hält Ausschau nach verdächtigen Bewegungen. Bei Bedarf lässt sie ein Warnsignal ertönen und Menschen einschalten.“

Was im Unterkapitel „Das fliegende Pferd“ nur teilweise steht: Denkende Drohnen, die mithilfe von optischen Außenhäuten unsichtbar gemacht werden, haben laut Tuck bereits die Fähigkeit programmiert, selbst zu entscheiden, ob sie töten. Die eigenständige „Kill-Entscheidung“ der Drohnen, die ohne menschliche Hilfe Tausende von Kilometern weit fliegen, angreifen und zum eigenen Flugzeugträger zurückkehren könnten, werde laut offizieller Dokumentation auch angestrebt, berichtet der erfahrene Kriegsreporter. „Noch“ sei sie per Gesetz dem menschlichen Operator vorbehalten.

Fazit: Die einzelnen Abschnitte des 2016 veröffentlichten Buches sind ebenso faktenreich, wie analytisch aufgebaut. Horrorszenarien zu konstruieren, hat der Gesprächspartner von Drohnenpiloten und KI-Experten dabei nicht nötig. Eine Vielzahl von Zitaten der „Macher“ und Forscher der digitalen Welt dienen ihm als Weckrufe, die menschliche Schwarmintelligenz als Gegenwehr einzusetzen. In einer kalt codierten Zielorientierung könnte die Künstliche Intelligenz Menschen als Störenfriede für die Umwelt und ihr eigenes Überleben einstufen und deshalb töten. „Ich verstehe nicht, warum nicht mehr Menschen beunruhigt sind“, räsoniert Bill Gates, der Microsoft-Gründer. – Vielleicht weil sie auf Bewusstsein und überlegtes Vorgehen setzen. Die Künstliche Intelligenz schafft fantastische Möglichkeiten, besonders im medizinischen Bereich, ist aus der IoT, dem Internet der Dinge, schon im Jahr 2020 nicht mehr wegzudenken. Die KI nimmt den Menschen ein Stück Verantwortung ab. Doch die Lektüre des Buches von Jay Tuck mahnt, dass die Menschen gerade deshalb achtsam und ethisch aufmerksam bleiben müssen.

Titel: Evolution ohne uns: Wird künstliche Intelligenz uns töten?

Autor: Jay Tuck

Seiten: 336

Preis: 19,99 Euro (E-Book 15,99 Euro)

Verlag: Plassen Verlag

Jahr: 2016

ISBN-10: 3864704014

ISBN-13: 978-3864704017

Für Sie recherchiert und gelesen von…

…Annegret Handel-Kempf

Digitalisierungsschub in den Kommunen durch Corona: Noch immer wiehert der Amtsschimmel und eilen die Büroboten mit Papierfutter herbei

Von Annegret Handel-Kempf

München, 2. Dezember 2020. Abends den neuen Personalausweis bestellt, am nächsten Vormittag kommt der Gemeindebote vorbei und wirft ihn in den Briefkasten. So – sagt zumindest Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes – stellen sich die Bürger das mit der Digitalisierung in den Kommunen vor. Ein wenig Amazon-Wunderwelt statt Amtsschimmel. In Corona-Zeiten, in denen Warten in muffigen Gängen vor dichtbesetzten Amtstuben wenig sexy ist, klingt das nach einer äußerst verführerischen Idee. Das Kontakt-Formular auf dem Tablet statt den Kaffee-zum-Mitnehmen auf dem Tablett, während der Bürger mit seiner Aufrufnummer in der Hand auf die magische Leuchtzahl starrt, die Zutritt zu hoheitlichen Verwaltungsakten verheißt. Ach, das könnte schön sein, beispielsweise nach einem Umzug, der auch ohne Tag auf dem Amt schon sämtliche Urlaubstage verbraucht.

Könnte der Staat es nur jedem Recht machen. Doch da ist das geltende Recht vor, erklärt Landsberg, ein studierter Politik- und Rechtswissenschaftler: „Ein Personalausweis kann derzeit noch nicht digital beantragt werden.“ Grund: Die leibliche Präsenz bei der Behörde ist vonnöten. Mehr gibt die aktuelle Rechtslage nicht her. Für Landsberg ein klarer Fall von „Hemmnissen für die digitale Transformation“. In den Gesetzen müsse von vornherein stehen, dass man beispielsweise einen Behördengang auch digital erledigen könne, „über die Homepage oder so“. Generelle Voraussetzung für derartigen Digitalzuschnitt neuer Gesetze und Verordnungen: „Wir brauchen die digitale Identität, das kann etwa die Steuernummer sein.“ Ein Wunsch, ein Appell an den Gesetzgeber, doch bislang ist der digitale Behördengang häufig nur Fiktion.

Digitalisierung mit den Normen des Rechts zulassen. Daran hakt es – neben Geldmangel – noch am meisten, so der Verwaltungsinsider. Auch wenn diese Bremse vielen gar nicht so klar ist. Als Hemmnis führen drei Viertel der Kommunen fehlende Finanzmittel an. Nur 22 Prozent bringen sie mit einem unklaren Rechtsrahmen in Verbindung. Fehlendes Know-how beklagen 58 von Hundert der jüngst für eine Studie befragten Kommunen. Dennoch freut sich Landsberg über eine Nebenwirkung von Covid-19: „Wir erleben einen Digitalisierungsschub“. So sein Fazit bei der Vorstellung der
repräsentativen Befragung von Bürgermeistern und Digitalisierungsverantwortlichen in mehr als 600 Kommunen, die der Digitalverband Bitkom und der Deutsche Städte- und Gemeindebund beauftragt hatten. „Kommunen und Corona – digitaler nach der Pandemie?“, lautete das Thema.

Das übergeordnete Ergebnis klingt zumindest gut: Rund neun von zehn Kommunen, das sind exakt 88 Prozent, erwarten, dass die Corona-Krise die Digitalisierung in Städten und Gemeinden vorantreiben wird. Dass digitale Technologien und Anwendungen in Zeiten der Pandemie stark zur Aufrechterhaltung des Amtsbetriebs beitragen, sagen drei Viertel, exakt 77 Prozent. Landsberg staunt: „Auf einmal funktionieren Dinge, die wir vorher nicht für möglich gehalten hätten.“ Bernhard Rohleder, Bitkom-Hauptgeschäftsführer, erzählt von rasanten Shopping-Touren der vornehmlich rechtlich ausgebildeten Gemeinde-Mitarbeiter, mit dem Ziel digitale Ausstattung anzuschaffen: „Die Kommunen gingen im Frühjahr zunächst einkaufen, als es hieß: „Lockdown“. Die Gemeinden wurden extrem schnell aktiv.“

Damit nicht genug: Etwas mehr als die Hälfte der Befragten planen, das Digital-Budget für 2021 zu erhöhen. Diese 54 Prozent wissen, dass mit gut gespitzten Bleistiften Behörden auf Dauer nicht mehr mithalten können, wenn sich die Welt zunehmend in Bits und Bytes organisiert. So gaben 53 Prozent an, anlässlich von Corona in Technologie mit Notebooks, sicheren VPN-Zugängen oder Cloud-Anwendungen investiert zu haben. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer der Bitkom, berichtet aus der Studie, dass 35 Prozent der Kommunen ihre Bürgerservices schnell umgesetzt hätten oder zumindest die Planung angegangen seien. „Eine Digitalstrategie ist nur in jeder fünften Kommune kein Thema. Keine Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern würde sich nicht mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzen“, sagte der Verbandgeschäftsführer. Je kleiner eine Gemeinde sei, desto weniger liefe es mit der Digitalisierung. Insgesamt 61 Prozent der Kommunen sehen sich eher als Nachzügler der Digitalisierung gegenüber 29 Prozent, die sich als Vorreiter empfinden.

Immerhin: Nach Corona wollen nur noch 37 Prozent der Gemeinden grundsätzlich kein Homeoffice anbieten. Bislang soll Behördenarbeit von zuhause aus in jeder zweiten Kommune überhaupt nicht möglich sein. Als Gründe werden in erster Linie fehlende technische Ausstattung oder Geldmangel für derartige Investitionen genannt. Die zweite Hälfte der Befragten sagt, Homeoffice finde tatsächlich in der Praxis statt. Wenn auch nur in jeder dritten Gemeinde mit Online-Meetings oder Videokonferenzen via Skype beziehungsweise WebEx, GoToWebinar oder beispielsweise auch Zoom. Digital von daheim mit anderen arbeiten, heißt für 99 Prozent vorrangig, mit E-Mail zu kommunizieren. Nur 11 Prozent nutzen Kollaborationstools wie SharePoint, Teams und Slack. „Da ist ein Kulturwandel nötig“, befindet Rohleder.

Denn noch werden mehr Blätter als Bytes zwischen Behörden geteilt. „Es gibt weiter immens viel Papier in den kommunalen Verwaltungen“, sagt Landsberg. „Die E-Mail wird ausgedruckt und vom Büroboten in den Ämtern verteilt. Das muss besser werden, da ist noch sehr viel zu tun.“ Doch es gibt Hoffnung: Sechs von zehn Kommunen denken über elektronische Akten nach, 16 Prozent haben sie schon. Im Bürgerservice-Bereich kann in 19 Prozent der Anforderungen ein Online-Antrag gestellt werden. Und Ratsarbeit läuft bereits zu 58 Prozent digital. Das gibt Hoffnung für eine zunehmende Digitalisierung der Kommunen, auch über Pandemie-Zeiten hinaus.